Das Forschungsvorhaben von Christian Witt fragt nach der Rolle kirchlicher Ordnungskonkurrenzen und theologischer Ordnungskonfigurationen seit dem Spätmittelalter im Kontext der Politisierung und damit der differenzorientierten Profilierung des natio-Konzepts. Ausgangspunkt dafür ist, dass das genannte Konzept bereits in der Ordnungstheoriebildung des Spätmittelalters als Differenz- und Verortungskategorie zur Bezeichnung politischer Handlungseinheiten aufgefasst wurde. In diese Richtung weist die Beobachtung, dass bestimmte Theologen seit dem Spätmittelalter vermehrt gegen hierokratisch-papalistische Positionierungen und die damit verbundenen religiös-politischen Aufwertungen der kurialen Zentralgewalt Einspruch erheben, während sie als Vertreter kollegialer Kirchenleitungsmodelle „regna“ und „nationes“ synonym gebrauchen. Die sich über territoriale Herrschaftsverdichtungen formierenden und mit dem universalen Anspruch des Papsttums konkurrierenden politischen Handlungseinheiten werden so als tragende ordnungstheoretische Pfeiler bestimmter Kirchenreformprogramme als „nationes“ aufgerufen.