Bischöfe bildeten eine der wichtigsten Akteursgruppen im römisch-deutschen Reich. Aufgrund des komplexen Spektrums ihrer Aufgaben und Verantwortlichkeiten waren sie auf verschiedenen Ebenen von Reich und Kirche verortet – sie unterstanden als Kirchenfürsten dem Papst, als Landesherren dem König bzw. Kaiser und hatten nicht zuletzt dynastische Interessen zu vertreten. Aufgrund dieser sich überlagernden und zugleich dynamischen Zuordnungen im Spannungsfeld supranationaler Strukturen und territorialer Verwurzelung fragt das Projekt nach dem Anteil des deutschen Episkopats an der Ausformung nationaler Vorstellungen. Konkret im Fokus steht die Chronistik des Erzbistums Mainz von 1400 bis 1550, die mit ihrer untrennbaren Verbindung von kurmainzischer Territorialgeschichte einerseits und Reichsgeschichte andererseits spannende Einblicke in nationale Deutungen erwarten lässt.